Martina Pippal & Christine Ratkowitsch

Naturalismen im typologischen Rahmen – interdisziplinäre Beobachtungen zur Ungleichzeitigkeit der Medien

Der als Doppelconference angelegte Eröffnungsvortrag spannt einen Bogen (a) vom typologischen Programm des Klosterneurburger Ambos über (b) naturalistische Stilspezifika bis (c) zum intermedialen Vergleich: zwischen bildender Kunst und hochmittelalterlicher Literatur. 

(ad a) Das inhaltliche Konzept der mit „Nicolaus Verdunensis“ signierten und auf 1181 datierten Amboverkleidung verbindet Christologie und Eschatologie mit Typologie: Den Hauptstationen des Lebens Jesu Christi/ Hauptfeste des Kirchenjahres (mittlere Horizontalzone) sind je zwei Ereignisse aus dem AT (darüber ante legem, daunter sub lege) zugeordnet. Sucht die typologische Struktur den Antagonismus zwischen AT und NT zu überbrücken, zeigt der Secundus Adventus / Ende des Kirchenjahres (sechs Plaques in den letzten Senkrechtkolumnen) den Gegensatz als aufgehoben.

Wie dargelegt (Pippal 1982, 1984, 1987, 2024, 2023/26) und vertieft (Samoylowa 2023) ist in den typologischen Plattentripeln die inhaltliche Stringenz (similitudo) durch die Kompositionsangleichung visualisiert und durch den Einsatz von dunkelblauem email champ levé mit vergoldeten Figuren, Möbeln etc. augenfällig gemacht. Polychromer email champ levé fügt eine zweite typologisch-soteriologische Schicht hinzu (z.B. Korrespondenz der farbigen Traubenperlen [Plaque III/13] mit dem roten Blut aus der Seitenwunde Christi [II/13; Pippal 2023/2026]).

(ad b) Beide Emailvarianten sind zugleich deskriptive Stilmittel: Alterungsprozesse (z.B. Mariä [II/1, II/2 und II/13] und Emotionen (Säuglinge [I/3, II/3, III/3]) resp. Stofflichkeit (Traubenperlen [Plaque II/13]; dunkle Haut der Königin von Saba [III/4]). Die Suche nach Parallelen in der zeitgleichen Philosophie und Literatur wäre naheliegend (Pippal 2008/2014).

(ad c) Die komparatistische Betrachtung mit hochmittelalterlichen lateinischen Epen zeigt indes die Unzeitgleichheit in den Medien: Die visuellen Medien belegen erst in der 2. Hälfte des 12. Jahrhundert einen auf die Welt des Sichtbaren geöffneten Blick, dann dank der Antikenrezeption; in der Literatur war die Tradition zwischen Antike und Hochmittelalter indes weit weniger gebrochen; befördert durch die Bildungsreform unter Karl d. Gr., die den antiken lateinischen Texten wieder einen ganz hohen Stellenwert zukommen ließ. Bereits die Dichter des ausgehenden 8. Jhs. fühlten sich dem antiken, ab dem Hellenismus quasi verpflichtenden Ideal des Poeta doctus verbunden, der Vorgängertexten durch Zitieren in oft verändertem Kontext eine neue Aussage verleiht (sog. Kontrastimitation). Dieses Ideal bleibt das gesamte MA hindurch und ebenso in der NZ bestehen. Das Pendant zu dem Phänomen der similitudo in der bildenden Kunst ist in der Literatur das von den homerischen Epen an durchgehende Prinzip des intratextuellen Zitierens eines Verses oder Motivelements an späterer Stelle eines Werkes, um derart die frühere Szene mit der späteren (oft in kontrastierender bzw. steigernder Weise) in Beziehung zu setzen; z.B.: Anfang und Ende des carm. 126 des Baudri von Bourgueil [Ende 11. Jh.]). Dort findet sich auch ein gutes Beispiel für genaue Naturbeobachtung (126, 75 – 78 Beschreibung einer reifen Feige und eines reifen Apfels; Ratkowitsch 2025). Zahlreiche einprägsame Beispiele für räumliche Erstreckungen, stoffliche Oberflächen (z.B. blitzende Waffen) bis hin zu Wetterphänomenen begegnen aber schon in dem wohl im 10. Jh. entstandenen Epos Waltharius (44-49); in den visuellen Medien wurden im Epos beschriebene Phänomene wurden erst im 15./16. Jh. dargestellt. Das Walthari-Epos bietet eine Reihe von Beispielen für (banale) menschliche Handlungen, die in ihrer detailreichen Beschreibung sogar weit über antike Vorbilder hinausreichen (Walth. 503 – 512 Aufwecken Walthers; 959 – 961 Walther wischt sich den Schweiß von der Stirn). Die genaue Beobachtung von menschlichen Empfindungen: Emotionen eines Kindes) begegnet bereits in dem panegyrischen Epos des Ermoldus Nigellus auf Ludwig den Frommen (Erm. 4, 513 – 534 der kleine Karl will unbedingt ein Rehkitz jagen). Das eindrucksvollste, ins Groteske übersteigerte Beispiel für menschliche Emotionen bietet jedoch wieder der Waltharius (315 – 321 die betrunkenen Hunnen und 358 – 399 (Attilas Katzenjammer am nächsten Tag und sein Zorn aus gekränkter ‚Vaterliebe‘; Ratkowitsch 2016).

Publikationen:

  • Martina Pippal, Beobachtungen zur „zweiten“ Ostermorgenplatte am Klosterneuburger Ambo des Nicolaus von Verdun, Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte XXXV (1982), 107–119.
  • Martina Pippal, Von der gewußten zur geschauten Simlitudo. Ein Beitrag zur Entwicklung der typologischen Darstellung bis 1181, Der Kunsthistoriker, IV. Jahr (1987), Nr. 3/4, 53–61.
  • Martina Pippal, Inhalt und Form bei Nicolaus von Verdun. Bemerkungen zum Klosterneuburger Ambo, in: Studien zur Geschichte der europäischen Skulptur im 12./13. Jahrhundert, hg. v. Herbert Beck, Bd. 1, Frankfurt am Main 1994, 367–380.
  • Martina Pippal, Die Funktion der „schedula“ und die Rolle der Technik bei der Konstruktion von Wirklichkeit am Beispiel des Emailwerks des Nicolaus von Verdun in Klosterneuburg. In: Zwischen Kunsthandwerk und Kunst: Die “Schedula diversarum artium”, Andreas Speer, Maxime Maurège, Hiltrud Westermann-Angerhausen Hg. (Miscellanea Mediavalia. Veröffentlichungen des Thomas-Instituts der Universität zu Köln 37, De Gruyter Berlin/Boston 2014), 163–180, Tfn. 27-32. ISBN 978-3-11-033477-7
  • Martina Pippal, Artes liberales und artes mechanicae – ihre Kooperation auf den champ levé-Plaques am Ambo des Nicolaus von Verdun für die Stiftskirche Klosterneuburg (Vortrag: 11. 5. 2023, Stift Klosterneuburg), in: „Nicolaus Virdunensis fabricavit. Das Goldschmiedewerk des Nikolaus von Verdun im Stift Klosterneuburg – Materialtechnologie und kunsthistorische Perspektiven“ (Tagung, Stift Klosterneuburg, 11. bis 13. Mai 2023, veranstaltet von Heike Schlie), Tagungsband (Heike Schlie Hg.), im Druck.
  • Christine Ratkowitsch, O vortex mundi, fames, insatiatus, habendi, gurges avaritiae. Das Waltha¬rius-Epos zwischen altgermanischem Sagenstoff, Vergils Aeneis und christlicher Moral, Mittellateinisches Jahrbuch 51 (2016), 1–38.
  • Christine Ratkowitsch, Baudri von Bourgueil, Carmina, Stuttgart: Anton Hiersemann Verlag 2025 [Mittellateinische Bibliothek 13].

Sabine Miesgang

Das Goldschmiedewerk des Nikolaus und seine Klosterneuburger „Orte”: Ein Überblick zu Objektbiographie und Rezeption vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart

The paper investigates the object biography of the Klosterneuburg pulpit, tracing the changing locations of the work over time and assessing the shifting interpretations it has received from the chapter and convent. Drawing on records from the abbey archive and visual-textual sources, the paper reconstructs the evidence for the pulpit’s placement in its respective historical settings. It examines how the object was appropriated and contextualized in the abbey’s evolving strategies of self-representation: from the reproduction of its typology in the glazing of the cloister around 1300, to its reception in the domestic historiography of the canons Benedikt Prill and Willibald Leyrer in the eighteenth century, and finally to its reframing in the 1930s, when it was presented as the architectural “substructure” of the Shrine of St Leopold. By analysing these successive reinterpretations, the paper highlights the pulpit’s role as a medium of institutional memory and an ingredient instrumental to the monastic community of the Augustinian canons in Klosterneuburg and theirformation of identity.

Publikation:

  • Sabine Miesgang, Stiftung und Inszenierung des Österreichischen Erzherzogshuts im Stift Klosterneuburg. Symbolik – Performanz – Normativität, in: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg (2023), 101–121.

Arwed Arnulf

Antiquarische Interpretation, repräsentative Inanspruchnahme, Umnutzung und Präsentation hochmittelalterlicher Goldschmidewerke nach 1500. Die nachmittelalterliche Geschichte des Klosterneuburger Goldschmiedewerks im Vergleich

Aufwendige und großformatige Werke der Schatzkunst - Retabel, Reliquiare, Antependien - stellten ihre nachmittelalterlichen Eigentümer vor verschiedene Probleme: Zum einen sorgte ihr Materialwert für stete Gefährdung, zum anderen hatten sie durch konfessionelle oder liturgische  Veränderungen und Anforderungen meist ursprüngliche Funktion und Situierung eingebüßt, erforderten inszenierende, wiederherstellende oder umnutzende Veränderungen. Ein Vergleich der nachmittelalterlichen Schicksale einiger ausgewählter  Werke führt zu traditionsverweisenden Installationen trotz Funktionsverlust in protestantischen Kirchenräumen, zu unerwarteten Verwendungen in juristischen Konflikten, antiquarischen Interpretationen und publizistischer Inanspruchnahme, aber auch zu besucherfreundlichen Aufstellungen, Besuchsmodalitäten, historischen Monographien, Führungsheftchen und spektakulären Kriminalfällen. Ein Überblick soll die frühneuzeitliche Geschichte des Klosterneuburger Werks in historische Vergleichskontexte stellen.

Publikationen:

  • Arwed Arnulf, Architek­tur- und Kunst­beschreibungen von der An­tike bis zum 16. Jahr­hundert, Berlin / München 2004.
  • Arwed Arnulf, Studien zum Kloster­neuburger Ambo und den theo­logischen Quellen biblischer Typo­logien von der Spät­antike bis 1200, in: Wiener Jahrbuch für Kunst­geschichte 48, 1995, S. 9-41.
  • Arwed Arnulf, Inszenier­ung, In­anspruch­nahme und anti­quarische Er­klärung. Bei­spiele der Re­zeption mittel­alterlicher Kunst in Deutsch­land vor 1700, in: Mar­burger Jahr­buch für Kunst­geschichte 36, 2009, S. 185-215.
  • Arwed Arnulf, Funktionsverlust, Inszenierung und repräsentative Inanspruchnahme - zum Bedeutungswandel der Goldenen Tafel von St. Michaelis nach der Reformation, in: Zeitenwende 1400 - Die goldene Tafel als europäisches Meisterwerk, Ausstellungskatalog Niedersächsisches Landesmuseum Hannover, hrsg. von Antje-Fee Köllermann und Christine Unsinn, Petersberg 2020, S. 189-201.
  • Arwed Arnulf, "...auf das fleissigste in Kupfern stechen und mit artigen Epigrammatibus zieren..." - Tradition, Funktion und Produktion bildbegleitender lateinischer Versbeischriften, in: Stroh, Stephanie; Sors, Anne-Katrin und Thimann, Michael: Verwandlung der Welt. Meisterblätter von Hendrick Goltzius. Katalog zur Ausstellung, Petersberg 2020, S. 44-51.

Jan Friedrich Richter

Ein Schreinfragment im Berliner Kunstgewerbemuseum. Fragen zur Arbeitsorganisation in der hochmittelalterlichen Goldschmiedekunst

Die hohen Denkmälerverluste im Bereich der Goldschmiedekunst haben dazu geführt, dass die Forschung zu den hochmittelalterlichen Heiligenschreinen weitestgehend in den Bereich der Spezialwissenschaften gehört. Werkstattzusammenhänge, Arbeitsorganisation und die damit zusammenhängende Weitergabe und Verbreitung von Vorlagen sind nur ansatzweise geklärt.Die Untersuchung eines der Forschung kaum bekannten Schreinfragments im Besitz des Berliner Kunstgewerbemuseums liefert in dieser Hinsicht überraschende Ergebnisse. Entstanden zu Beginn des 13. Jahrhunderts im Rhein-Maas-Gebiet wurde es aufgrund der Muster seiner Zierbleche als Trierer Arbeit eingeordnet. Ein detaillierter Blick auf die Verwendung dieses Musters führt jedoch in die Werkstatt des Kölner Dreikönigenschreins und in ein Verbreitungsgebiet, das grundsätzliche Aspekte der oben genannten Fragen berührt.

Publikationen:

  • Corpus der mittelalterlichen Holzskulptur und Tafelmalerei in Schleswig-Holstein. Die Kirchen im Landesteil Schleswig. Kiel (als wiss. Mitarbeiter)
  • Karl IV. Ein Kaiser in Brandenburg. Richter, Jan Friedrich • Knüvener, Peter • Winkler, Kurt [Hrsg.]. Potsdam (2016)
  • Lübeck 1500: Kunstmetropole im Ostseeraum ; [ ... anlässlich der Ausstellung "Lübeck 1500 - Kunstmetropole im Ostseeraum", Museumsquartier St. Annen, Lübeck ... 20. September 2015 bis 10. Januar 2016]. Petersberg (2015) (als Hrsg.)
  • Hans Brüggemann (Denkmäler deutscher Kunst). Berlin (2011)
  • Claus Berg. Retabelproduktion des Spätmittelalters im Ostseeraum (Denkmäler deutscher Kunst). Berlin (2007)

Bernát Rácz

The Artist of the Reliquary of Pétermonostora and Nicholas of Verdun

In 2013, fragments of a large Mosan artwork were discovered during the excavations of a monastery near Bugac, Hungary. The unusually large enamels from the remains of Pétermonostora, most likely remnants of a large reliquary, resemble the Klosterneuburg Pulpit in many ways. One particularly intriguing shared characteristic is their regional proximity, which suggests a common cultural context for the two artworks: both originated from the art of the border area between France and the “Holy Roman Empire” – thus within the sphere of Mosan or Lotharingian artistic culture – and eventually found their way into monastic settings in the eastern regions of Central Europe.

The commissions of both works were facilitated by intellectual networks and, crucially, by important secular support. Comparing these contemporaneous works, along with examples from Poland, where similar Lotharingian networks were influential, can reveal broader patterns in the commissioning and use of such exceptional artworks.

Finally, a stylistic comparison between the approach of the two artists significantly enhances our understanding of the development of Mosan art and provides valuable insight into broader artistic trends during the transformation of metalwork at the end of the twelfth century. The work of the Pétermonostora artist provides a crucial link between Mosan art and the stylistic innovations of the Klosterneuburg plaques and is essential for understanding the development of Nicholas of Verdun’s new style.

Publikationen:

  • Bernát Rácz. “The Reliquary of Pétermonostora: Twelfth-Century Mosan Metalwork Fragments Discovered in Hungary.” Annual of Medieval Studies at CEU 30 (2024): 298–315.
  • Bernát Rácz and Rosta Szabolcs. “Si ergo videritis Filium hominis ascendentem ubi erat prius? : Pétermonostora Maas-vidéki kapcsolatai.” [Pétermonostora’s Links to the Meuse Valley] In A tudománynak gazdag ágai... : Tanulmányok Benkő Elek hetvenedik, edited by Kovács Gyöngyi and Zatykó Csilla. Budapest: HUN-REN Bölcsészettudományi Kutatóközpont Régészeti Intézet MTA Kiváló Kutatóhely, Archaeolingua, 2024.
  • Bernát Rácz. The Twelfth-Century Mosan Reliquary of Pétermonostora. Archaeolingua Central European Archaeological Heritage 12. Bicester: Archaeopress, 2025.

Flora Prohaska & Kurt Smolak

OBSCVRA … FIGVRA? Eine latinistische Bestandsaufnahme der Inschriften des Klosterneuburger Goldschmiedewerks. Zugleich eine Nachlese zum Unverständnis der Forschung gegenüber den Texten des Objekts 

In meinem Referat zur latinistischen Bestandsaufnahme der Inschriften des Verduner Altars soll aufgezeigt werden, dass die metrischen und Prosa-Texte dieses Goldschmiedewerks in der bisherigen Forschung stets ungenügend behandelt und vor allem oft missglückt übersetzt worden sind. 

Ein besonders brisantes Beispiel dafür stellt die Jahreszahl in der ergänzten Widmungsinschrift dar. Wenn über Jahrzehnte hinweg von ForscherInnen falsche Lesarten des lateinischen Textes unhinterfragt übernommen werden, ergeben sich dadurch wiederum gravierende Folgen für die Datierung der Umgestaltung im 14. Jahrhundert.

Unter Berücksichtigung und Aufarbeitung der bisherigen Forschung wird durch eine Edition eben dieser Inschriften inklusive einer neuen Übersetzung im Rahmen des PREMISES-Projekts am IMAFO der ÖAW ein Forschungsdesiderat aufgegriffen, dessen Bearbeitung aufgrund der oben angeführten Problematik besonders die Datierung der Umgestaltung betreffen wird und die Forschungslage im Hinblick sowohl auf korrekte Übersetzungen als auch die wahrscheinlichste Datierung auf den neuesten Stand bringen soll. 

Eine Analyse der Texte, der Metrik und Prosodie sowie lexikalische und semantische Beobachtungen sollen daher in diesem Referat einen Einblick in die Arbeit an eben dieser Edition bzw. einen Überblick über die Inschriften des Verduner Altares aus philologischer Perspektive ermöglichen.

Publikationen:

  • Flora Prohaska, Weibliche Alternativen im Epos: Handlungsalternativen von Beinahe-Episoden bis zu Valerius Flaccus’ Medea, Wien, 2022 (Doktorarbeit).
  • Flora Prohaska, Tod und Schicksal in Apollonios Rhodios’ Argonautika, Wien, 2017 (Masterarbeit Gräzistik).
  • Flora Prohaska, Jason, Medea und der Drache. Valerius Flaccus, Argonautica 8, 54–121, Wien, 2016 (Masterarbeit Latinistik).

Clemens M. M. Bayer

Die sogenannte Widmungsinschrift des Klosterneuburger Ambos von 1181: Zum philologischen Befund und zum sachlichen Gehalt

Die sogenannte Widmungsinschrift von 1181 ist in Versen abgefasst, deren genaues Verständnis sich nicht ohne einige interpretatorische Mühe zu erreichen ist. Es handelt es sich nicht um einen einzigen, zusammenhängenden Text, sondern um zwei verschiedene Texte. Aufgrund der im Hinblick auf Inhalt, Form und Funktion feststellbaren Unterschiede sind die beiden Gedichte ganz verschiedenen epigraphischen Textsorten zuzuweisen. Mit Hilfe eines Stellenkommentars zusamt einer darauf beruhenden Übersetzung werden die Inhalte der zwei Gedichte möglichst genau erschlossen. Bei der Untersuchung des philologischen Befundes wird auch die Frage gestellt, ob dieser Rückschlüsse auf den Autor der Texte zulässt.

Publikationen:

  • Clemens M.M. Bayer, Zur Entwicklung des Reimes in lateinischen metrischen Inschriften vom Ende des 8. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts, in: Arbor amoena comis. 25 Jahre Mittellateinisches Seminar in Bonn, 1965–1990. Herausgegeben von Ewald Könsgen. Mit einer Einleitung von Dieter Schaller (Stuttgart 1990), S. 113–132.
  • Clemens M.M. Bayer, Die Inschriften der Objekte mit »Hildesheimer« Emails, in: Dorothee Kemper, Die Hildesheimer Emailarbeiten des 12. und 13. Jahrhunderts. Mit einer kommentierten Edition der Inschriften von Clemens M.M. Bayer = Objekte und Eliten in Hildesheim, 1130 bis 1250, 4. Herausgegeben von Klaus Gereon Beuckers [et al.] (Regensburg 2020), S. 537–626.
  • Clemens M.M. Bayer, Die beiden großen Inschriften des Barbarossa-Leuchters, in: Celica Iherusalem. Festschrift für Erich Stephany. Hrsg. von Clemens M.M. Bayer / Theo Jülich / Manfred Kuhl (Köln / Siegburg 1986), S. 213–240.
  • Clemens M.M. Bayer, Zu den beiden metrischen Inschriften des Antependiums auf der Großcomburg, in: Kloster Großcomburg. Neue Forschungen. Herausgegeben von Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg und Klaus Gereon Beuckers. Unter Mitarbeit von Sören Groß (Regensburg 2019), S. 209–215.

Andreas Zajic

Bitte weitergehen – hier gibt es nichts zu sehen! Oder: Was ist „normal“ am Klosterneuburger Ambo? Beobachtungen zu bild-textlichen und schrift-bildlichen Konventionen des Objekts

Im Zuge einer von ihm vorbereiteten Führung zu ausgewählten epigraphischen Denkmälern des Stifts Klosterneuburg für die Österreichische Byzantinische Gesellschaft wurde dem Vortragenden 2009 vor Ort deutlich, dass die heute am Objekt zu beobachtende Anordnung der inschriftlichen programmatischen Erklärung des Objekts samt Errichtungsvermerk von 1181 mit Zeilenumbrüchen mitten im Wort kaum die ursprüngliche gewesen sein kann. Zu diesem Ergebnis waren – wenn auch nur implizit – bereits jene Stimmen der Literatur des 19. Jahrhunderts gekommen, die sich mit der Erweiterung des ursprünglichen Bild-/Textprogramms unter Propst Stephan von Sierndorf beschäftigten. In den letzten Jahren hat Heike Schlie wiederholt explizit auf diesen Umstand im Sinn einer nun mangelhaften Kongruenz zwischen dem Layout von Bild und Text hingewiesen. Die Annahme, die ursprüngliche vierzeilige Inschrift sei versweise gruppiert werden, ist sicher zutreffend; sie entspricht letztlich auch einer modernen Betrachter:innen vertrauten typographischen Konvention. Doch darf man generell auch von einem zeilen- bzw. versweisen Arrangement lateinischer Dichtung an Inschriftenträgern des Mittelalters ausgehen? Leoninische Hexameter sind schließlich im Hochmittelalter und noch bis weit in das 14. Jahrhundert herauf die Standardwahl für epigraphische Didaxe. Ausgehend vom Klosterneuburger Objekt macht der Vortrag grundsätzliche Beobachtungen zur Anordnung metrischer Texte an mittelalterlichen Inschriftenträgern und stellt die Frage, ob das Werk des Nikolaus in dieser Hinsicht einem standardisierten Schema folgt oder einen Sonderfall darstellt. Ferner gilt das Augenmerk des Beitrags der Wahrnehmung von Historizität und Alterität der Schrift(formen) des Objekts durch spätmittelalterliche Betrachter und illustriert die gezielte Adaption bestimmter (gerade als „obsolet“ empfundener) Einzelformen der Inschrift von 1181 in den Hinzufügungen Stephans von Sierndorf am Objekt bzw. in den Inschriften der Bildfenster des Kreuzgangs, die mit dem Ambo und seiner Umgestaltung 1329 in Verbindung stehen.

Publikationen:

  • Andreas Zajic, Texts on Public Display: Strategies of Visualising Epigraphic Writing in Late Medieval Austrian Towns. In: Marco Mostert/Anna Adamska (Hg.), Uses of the Written Word in Medieval Towns (Utrecht Studies in Medieval Literacy 28) Turnhout 2014, 389–426.
  • Andreas Zajic, Heilsversprechen und marianische Selbstvergewisserung. Anmerkungen zur Inschrift am Westportal der ehemaligen Klosterkirche von Mariazell in Österreich. In: Thomas Aigner (Hg.), Hoffen auf die Ewigkeit. Gründung und Entfaltung des Benediktinerklosters (Klein) Mariazell in Österreich im 12. und 13. Jh. (M.CellA. Beiträge zu Geschichte, Kunst und Kultur des ehem. Benediktinerstiftes Mariazell in Österreich 5) Berndorf 2020, 275–292.
  • Andreas Zajic, Wissenschaftsgeschichte. In: Helga Giersiepen/Andrea Stieldorf (Hgg., unter Mitarb. von Sonja Hermann/Franz Jäger/Susanne Kern/Christine Magin/Ulrike Spengler-Reffgen), Epigraphik des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Eine Einführung. Wiesbaden 2025, 23–38.

Heike Schlie

Eine Summa in Kupfer und Email. Überlegungen zu Material- und Technikikonologie der Goldschmiedearbeit des Nikolaus von Verdun in Klosterneuburg 

Das Klosterneuburger Goldschmiedewerk des Nikolaus von Verdun hat in mehrfacher Hinsicht Alleinstellungsmerkmale. Dies gilt u.a. für seine Monumentalität und die komplexe typologische Systematik, die in Form und Umfang zuvor weder in Schrift noch Bild nachweisbar ist. Ungewöhnlich ist auch die enge Verzahnung von mehreren Bild- und Schriftebenen in komplexen, aber doch überschaubaren Ordnungen. Im Vortrag wird der Frage nachgegangen, was Materialität und Technizität im Sinne des theologischen und repräsentativen Anspruchs zu den Bedeutungsstiftungen und Wirkungsmechanismen beitragen.

Publikationen:

  • Heike Schlie, Politische und liturgische Funktion - theologische und bildtheoretische Programmatik. Zum Akteurstatus des Klosterneuburger Ambos von Nikolaus von Verdun, in: Objekte und Eliten. Neue Forschungen zur Kunst im 12. und 13. Jahrhundert und ihrem Kontext, hg. von W. Augustyn und Gerhard Lutz, Passau 2022, Seite 205–242.
  • Heike Schlie, Framing – Deframing – Reframing. Zu einer Kunstgeschichte als Objektwissenschaft am Beispiel des Goldschmiedewerks von Nikolaus von Verdun und des Flügelretabels von 1331 im Stift Klosterneuburg, in: Special Objects Werke jenseits von Norm und Kanon, hg. von P. Scholz und S. Weppelmann, München 2022, S. 10–21.
  • Heike Schlie, Bedeutungsstiftende Links und objektbiografische Konstellationen. Das Goldschmiedewerk des Nikolaus von Verdun im Stift Klosterneuburg, in: Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit (Hg.): Object Links. Dinge in Beziehung (formate 1), Wien u.a. 2019, S. 179–206.
  • Heike Schlie, Die Ordnung der Reime. Zur Konmedialität von Schrift und Bild in ihrer ursprünglichen Setzung auf dem Klosterneuburger Ambo des Nikolaus von Verdun, in: MEMO. Medieval and Early Modern Material Culture Online, 2018 (3), Doi: 10.25536/20180303.
  • Heike Schlie, Vom Ambo zum Retabel. Das Klosterneuburger Goldschmiedewerk von Nikolaus von Verdun, in: Zeitschrift für Kunstgeschichte, 80 (2017), S. 247–274.
  • Heike Schlie, Der Klosterneuburger Ambo des Nikolaus von Verdun. Das Kunstwerk als figura zwischen Inkarnation und Wiederkunft des Logos, in: Figura. Dynamiken der Zeichen und Zeiten im Mittelalter (Philologie der Kultur), hrsg. von Christian Kiening und Katharina Mertens Fleury, Würzburg 2013, S. 205–247.

Henriette Hochgatterer

Gestik, Dramatik und Narration am Klosterneuburger Ambo des Nikolaus von Verdun

Nikolaus von Verdun schuf für das Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg eine gewaltige Goldschmiedearbeit aus feuervergoldeten Emailtafeln, in Grubenschmelztechnik auf Kupfer gearbeitet, die zu den größten bildnerischen Werken mit typologischem Programm zählt. In seiner Erstverwendung diente diese zur Verkleidung des Ambos in der Stiftskirche. Der Vortrag konzentriert sich auf die, bisher nicht systematisch betrachteten, erzählerischen Qualitäten dieser Bilderwand. Mittels Bildanalyse und Bildvergleich werden die Leistungen und Strategien des Goldschmieds herausgestellt. Dies bedeutet, dass die chronologisch gereihten Darstellungen der neutestamentlichen Heilsgeschichte auf ihren visuell wahrnehmbaren Zusammenhang hin untersucht werden. Weiters wird die Binnennarration, geordnet nach einzelnen erzählerischen Elementen – wie die Bewältigung von Zeitlichkeit im Bild und die Vermittlung von Emotionen – analytisch betrachtet.Dabei wird der ausgeprägte Erzählwillen Meister Nikolaus’, das Interesse an pointierter Bildgestaltung mit eigenständigen Bildideen, deutlich.  Die christologischen Szenen erweisen sich durch die narrativen Verbindungen als Bildzyklus. Bei den Einzelbildern ist, abhängig vom jeweiligen Thema, die Narrativität unterschiedlich intensiv ausgeprägt, aber stets finden sich Narreme, die Geschichten beim aufmerksamen Publikum indizieren.

Publikation:

  • Henriette Hochgatterer, Gestik, Dramatik und Narration am Klosterneuburger Ambo des Nikolaus von Verdun, phil. Dipl. (ms.), Wien 2022.

Friedrich Dahm

Bilderfindung im Hochmittelalter?

Das komplexe ikonologische Programm des Verduner Altars sieht eine typologische Gegenüberstellung von neutestamentarischen und – zugeordnet nach Ereignissen ante legem und sub lege - alttestamentarischen Themen vor. Bei der künstlerischen Umsetzung konnte Nicolaus zumeist auf gängige ikonographische Muster zurückgreifen – und tat dies auch. Allerdings stand er, den theologischen Vorgaben strikt verpflichtet, bisweilen auch vor schwierigen Aufgaben: Dann nämlich, wenn es galt, Bilder zu entwerfen, für die – außer literarischen Quellen – keine entsprechenden Vorlagen zur Verfügung standen. Der Vortrag will anhand von zwei Beispielen aufzeigen, wie der mittelalterliche Goldschmied einer solchen Herausforderung begegnete und sie bewältigte.

Publikationen:

  • Studien zur Ikonographie des Klosterneuburger Emailwerkes des Nicolaus von Verdun, Dissertationen der Universität Wien, Nr. 197 (Verband der wissenschaftlichen Gesellschaften Österreichs), Wien 1989
  • Das Grabmal Friedrichs des Streitbaren im Stift Heiligenkreuz. Rekonstruktion - Typus - Stil - liturgische Funktionen, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Veröffentlichungen der Kommission für Kunstgeschichte (Hg. Hermann Fillitz), Bd. 3, Wien 1996
  • Die früh- und hochmittelalterliche Skulptur, in: H. Fillitz (Hg.), Geschichte der bildenden Kunst in Österreich, Bd. I: Früh- und Hochmittelalter, München - New York 1998, S. 337-346 und Kat. Nr. 96 bis 160 (S. 347-417)
  • Die skulpturale Ausstattung des Riesentores. Meisterhände – Werkstattbetrieb – Stil- und Strukturanalyse – bauhistorische Zusammenhänge, in: Friedrich Dahm (Hg.), Das Riesentor. Archäologie – Bau- und Kunstgeschichte – Naturwissenschaften – Restaurierung, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Veröffentlichungen der Kommission für Kunstgeschichte , Bd. 8, Wien 2008, S. 131-177
  • Die romanischen Türreliefs aus dem Dom zu Gurk. Überblick und Ausblick, in: Bernd Euler (Hg.), Die romanischen Portalreliefs aus dem Dom zu Gurk, Fokus Denkmal Bd. 4, Wien 2014

 

 

 

Miroslav Varšo

How did Samson reach out to Nicholas of Verdun‘s Pulpit?

The name Samson, along with the depiction of the events from his life, appears in the typological scenes of Verdun’s Pulpit most frequently among Old Testament figures. He is displayed in the third horizontal layer (sub legem) as a Christ type. In the main sequence of vita Christi, Samson appears in the events associated with the coming of Jesus into the world (annunciation, birth, circumcision) and his last deeds (death and resurrection). The number of depictions as well as the framing of Christ's earthly life point to the relatively high popularity of the Old Testament hero at the time of the creation of Verdun’s work. Brief textual typological legends surrounding the plates promote a complex intellectual interaction between the scenes on the plates and the biblical texts. The question is how the life and death of Samson was interpreted in the typological reading of the biblical texts up to the 12th century (Judges 13–16), and how this understanding may have served as an inspiration by the creation of Verdun’s pulpit.

Publikationen:

  • Miroslav Varšo. Vplyv konfesionálnej príslušnosti na inscenáciu školských hier o troch kráľoch / mudrcoch na území Uhorska v 17. storočí. In:  I. Gerát (ed.), Téma Troch kráľov v umení a v kultúre [The Influence of Confessional Affiliation on the Staging of School Drama with the Theme of Three Kings / Magi within the Borders of Seventeenth-century Hungary. In: Three Kings in Art and Culture]. Bratislava: VEDA, 2021, s. 377-397. ISBN 978-80-224-1936-9. 
  • Miroslav Varšo. Zentrale protestantische Themen in Josua Wegelins Buch Der Gemahlte Jesus Christus (1630). In: A. Riedl, L. R. Nicholas, S. Zavarský (eds.), Themes of Polemical Theology across Early Modern Literary Genres. Newcastle upon Tyne: Cambridge Scholars Publishing, 2016, s. 289-307. ISBN 978-1-4438-8735-9 

Vratislav Zervan

Potenziale Künstlicher Intelligenz für die Analyse der Similitudo am sogenannten Verduner Altar

Die von Nikolaus von Verdun im Jahr 1181 gefertigte Kanzelverkleidung gilt als eines der frühesten und zugleich komplexesten typologischen Bildprogramme, in dem alttestamentliche und neutestamentliche Ereignisse systematisch miteinander verknüpft werden.  In ihren Analysen haben Martina Pippal und ihre Diplomandin Alexandra Samoylova gezeigt, dass die Evidenzwirkung mittelalterlicher Typologie nicht primär auf klassischen Kategorien der Wirkungsrhetorik beruht, sondern aus dem Bildsystem selbst hervorgeht. Zentral ist hierbei der Begriff der Similitudo, verstanden als Eigenschaft, die sich in formal-kompositionellen und visuellen Übereinstimmungen zwischen Bildern manifestiert und in einer reziproken Phänomenalität erfahrbar wird.  Für die weitere Forschung am Verduner Ambo erscheint insbesondere die Untersuchung von Bewegung vielversprechend: sowohl als Kriterium der geschauten Similitudo als auch in der Inszenierung narrativer Höhepunkte zwischen ‚dynamischer Statik‘ und ‚statischer Dynamik‘. Moderne Verfahren der Künstlichen Intelligenz, insbesondere die Human Pose Estimation (HPE), eröffnen in diesem Kontext neue methodische Perspektiven. HPE ermöglicht die Identifikation zentraler anatomischer Orientierungspunkte und bietet durch bildsegmentierende Top-Down-Ansätze auch bei Darstellungen mit mehreren Figuren präzise Analysemöglichkeiten.

Publikationen: 

  • Vratislav Zervan. The Magi and Typological Imagery. Art and Exegesis: Bridging the Old and New Testaments. In: The Theme of Three Kings in Art and Culture. Ed. Ivan Gerát. Leuven: Peeters (will be published 2026/2027). 
  • Vratislav Zervan. Panofsky goes digital – k problémom počítačovej asistencie pri ikonografických analýzach [Panofsky goes digital – On Problems of Computer Assistance in Iconographic Analysis]. In: Sborník z VIII. sjezdu historiček a historiků umění [Proceedings from the 8th Congress of Art Historians]. Eds. Terezie Nekvindová – Marcela Rusinko. Brno: MUNI Press (will be published in 2026).
  • Vratislav Zervan. Szenen aus dem Leben von Joseph auf der Maximianskathedra in Ravenna und das Problem ihrer Interpretation. In: Juhász, Erika (Ed.), Byzanz und das Abendland II. Studia Byzantino-Occidentalia. Budapest 2014, 85–96.

Ivan Gerát

The Typology and Temporality of Baptismal Images in the 12th Century

In Nicholas of Verdun's work, scenes from the baptism of Jesus are linked to complex temporal structures. The iconographic program of the Cologne reliquary of the three magi develops the scene's temporality in relation to the feast of Epiphany. In Klosterneuburg, the theme is linked to its Old Testament prototypes – the crossing of the Red Sea and the image of "the Sea of cast metal "carried by twelve bulls, a kind of baptismal font which was to stand before Solomon's Temple (1 Kings 7:23-25).

The famous baptismal font by Renier of Huy, preserved in Liège (1107–18), is reminiscent of the second prototype. However, it develops the theme of the baptism also for the time after Jesus' baptism, suggesting the continuation of the sacrament in the Roman Church:  The Baptism of Cornelius by Saint Peter is supplemented by the apocryphal baptism of the Greek philosopher Crato by John the Evangelist, thus opening up the horizons of temporalities typical of hagiographic narratives. 

The vita of St. Adalbert on the bronze doors of the cathedral in Gniezno depicts his own baptism and the baptism of converted pagans, leading to his martyrdom.

A deeper comparative analysis of the examples mentioned above allows us to establish the basic coordinates of the theme of baptism in 12th-century iconography, with special emphasis on its historical contexts within and beyond Central Europe.

Publikationen:

  • Ivan Gerát. Medieval Narrative Structures and Visual Time (a historiographical outline), In ARS : časopis Centra vied o umení Slovenskej akadémie vied/Journal of the Art Research Centre of the Slovak Academy of Sciences, 2024, vol. 57, no. 1, pp. 3-20.
  • Ivan Gerát. Dvořák on the revolutionary temporalities of art. In Journal of Art Historiography, 2021, no. 25, s. 1-17. ISSN 2042-4752. arthistoriography.files.wordpress.com/2021/11/gerat.pdf 
  • Ivan Gerát. Marxism and Iconology in Czechoslovakia During the Cold War : preliminary Remarks. In A Socialist Realist History? : Writing Art History in the Post-War Decades. - Wien ; Köln ; Weimar : Böhlau, 2019, s. 100-117. ISBN 978-3-412-51161-6.

Anna Boreczky

Luxury Artefacts and Everyday Objects. Notes on the Multiplicity of Functions and the Changing Agency of Pictorial Exegesis Between the 12th and the 16th Centuries

Nicolaus of Verdun's 1181 Klosterneuburg Pulpit is not only a splendid work of art representing exceptional craftsmanship, but, at the same time, the monumental visual equivalent of an old method applied in Biblical studies: the exegetical practice of typology. Made under specific political circumstances, it is a unique, luxury artefact, however the comprehensiveness of its pictorial program is not entirely unparallelled among typological image cycles. From the 12 th century on, Biblical typology provided the iconographical structure for stained-glass windows, then it inspired the creation of picture books, like the French Bible moralisée, the Latin Biblia pauperum, the Speculum humanae salvationis and the late medieval Concordantiae caritatis. In short: between the 12 th and 16 th centuries, typological image cycles appeared in various media, techniques and sizes, indicating that visual exegesis could be used in different functions, it could serve the communication between changing circles of patrons/commissioners, creators and addressees, it could be used both in public and in exclusive, private environments. How did all these different aims and roles alter the way typological pictorial programs were devised and how did the agency of visual exegesis change in response to the shifts in the socio-cultural contexts? My paper aims to discuss these questions in the example of a selection of emblematic artefacts that represent both the geographical-temporal scope of typological image cycles and the wealth and variability of their structures, contents and spirituality.

Publikationen:

  • Anna Boreczky: Imitation und Invention. Beobachtungen zur Entstehungsgeschichte der Budapester Concordantiae Caritatis-Handschrift. Acta Historiae Artium 41, 1999, 1–62.
  • Anna Boreczky: The Budapest Concordantiae Caritatis. The Medieval Universe of a Cistercian Abbot in the Picture Book of a Viennese Councilman. Szekszárd, Schöck Artprint, 2017.
  • Anna Boreczky, Maria Theisen: Christus rex celorum assumpsit Mariam in celum. An Unknown Fragment of a Fourteenth-Century Bohemian Speculum Humanae Salvationis Manuscript. Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts 125, 2020, 85–109.

Vedran Sulovsky

Nicholas of Verdun and the Court Chapel

Nicholas of Verdun is one of the famous artists of the twelfth century, yet very little is known about his career or his contacts. This is even more vexing than for other major figures, because he obviously worked in two regions on the opposite sides of the Kingdom of Germany: Klosterneuburg in the Duchy of Austria on the one hand, and Cologne and Tournai on the far sides of Lower Lotharingia on the other? How can one explain such a trajectory, especially if the master goldsmith is supposedly from Verdun in Upper Lotharingia?

In my paper I propose to deal with the unrecognised network connecting all the regions and patrons Nicholas worked for: the imperial court chapel. The members of this institutions worked at the itinerant court, but they also held their own prebends elsewhere in the Empire, thus connecting the centre and the periphery in a capillary manner. Researching the court chapel, I have identified potential candidates for Nicholas' patronage network, which could explain both his more securely attributed work, as well as the less secure pieces in Siegburg and Worms. After all, the chaplains ran many of these institutions and they wanted to leave a local mark, too.

Publikationen:

  • Vedran Sulovsky, Making the Holy Roman Empire Holy: Frederick Barbarossa, Saint Charlemagne and the sacrum imperium (Cambridge: Cambridge University Press, 2024).
  • Vedran Sulovsky, "A crusader in the twelfth-century imperial court chapel: identifying Albert of Aachen as Albert of Sponheim", Crusades 24 (2025): 1–27.

Ivan Foletti & Margarita Khakhanova

The Klosterneuburg Pulpit as Historiographical Myth During the Cold War

The Klosterneuburg pulpit is one of the most intensely studied works in the history of art history. For two centuries, scholars have returned to a persistent question: from which visual culture did Nicholas of Verdun and his atelier draw when creating this celebrated enameled masterpiece? One interpretation roots his style in a “classical revival” centered on the Meuse, a revival that later nourished the sculptural efflorescence of the Île-de-France around 1200. A second narrative traces the pulpit’s aesthetic to the visual culture of tenth-century Constantinople, transmitted across Europe through precious manuscripts, ivories, and enamels. 

Both accounts remain plausible, and both continue to animate debate. The aim of this paper is not to decide between them, but to reflect on the historiographical weight of the binary itself. The opposition between “Byzantium” and the “West” has never been neutral: in the nineteenth century it mapped onto rival imperial formations, French, German, and Austrian on one side, the Russian Empire on the other, while in the twentieth it hardened further within the intellectual geography of the Cold War.

By examining key studies and figures who worked on the pulpit across these decades, this presentation considers how such ideological frameworks shaped the object’s interpretation within Mitteleuropa, a region whose cultural identity has long occupied a space of fertile ambiguity.

Publikationen:

  • Ivan Foletti, Russian Imperialism and the Medieval Past, Leeds: Arc Humanities, 2024.
  • Ivan Foletti, "Decolonizing the Premodern South Caucasus: Historiography, Images, and Experiences", The Art Bulletin, vol. 107, 2025, pp. 8–25.
  • Ivan Foletti, "AVREA CONCISIS SVRGIT PICTVRA METALLIS : An Epistemological and Methodological Approximation of Early Christian Multimedia Visuality" (with Marie Okáčová), in A Second Gaze: Intertextuality and Transient Meaning in Roman Texts and Objects, Matthias Grawehr, Matthias, Markus Kersten, eds, Heidelberg: Propylaeum, 2024, pp. 179–217.
  • Foletti, I., Khakhanova, M., Armenophobia: Art, Scholarship, and Russian Colonial Policy at the Turn of the Twentieth Century, Turnhout: Brepols, 2024.
  • Foletti, I., Khakhanova, M., “Visualizing Russian Imperialism: Neo-medieval Churches in the 19th-century South Caucasus,” Umění 73/3 (2025), pp. 309–319.
  • Foletti, I., Khakhanova, M., “The Neo-Byzantine Style, Russia’s Imperial Desires, and the Wars (1855–1914),” Convivium Supplementum (2025), pp. 164–182.